Wie beliebt sind in Deutschland religiöse Themen und Motive in der Musik?

Religiöse Elemente beherrschten im europäischen Abendland über Jahrhunderte hinweg die Musik und gerade im Christentum wurde triviale Unterhaltungsmusik als notwendiges Übel hingenommen, gegen das man sich einfach nicht recht zu wehren wusste. Durch eine zunehmende Emanzipation von der christlichen Religion wurden schließlich langsam aber stetig ihre Themen und Motive zunehmend aus der musikalischen Öffentlichkeit verdrängt. Im 20. Jahrhundert übernahm irgendwann endgültig die Popkultur das Ruder. Doch inzwischen zeichnet sich ein deutlicher Gegentrend ab. In Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Perspektivlosigkeit versuchen die Menschen halt zu finden und auch religiöse Elemente geraten wieder ins Blickfeld – und damit ins Musikbusiness. Im Folgenden sollen einige populäre und subkulturelle Stoßrichtungen von Musik genauer beleuchtet werden, die sich in irgendeiner Weise religiöse Themen und Motive zu eigen gemacht haben.

Das derzeit wohl bekannteste Beispiel für spirituell geprägte deutsche Popmusik dürfte Xavier Naidoo abgeben. Der Sänger bezeichnet sich selbst als zutiefst religiös und sehr gottgläubig und transportiert diesen Teil seines Lebens auch deutlich in und durch seine Songs; so etwa in „Führ mich ans Licht“, das wiederholt auf das Neue Testament und den Erlösungsgedanken anspielt. Der Refrain lautet: „Zähl ich die Tage, ich erlebe die Klage, führ’ mich ans Licht, ich enttäusch’ dich nicht, führ’ mich ans Licht, ich enttäusch’ dich nicht.“ Die vielen verkauften Platten zeigen, wie beliebt diese Form der Musik inzwischen in Deutschland ist, spirituell geprägte Lieder sind wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen und nicht mehr nur Bestandteil von christlichen Konventen. Hinzu kommen andere musikalische Strömungen wie die sogenannte Weltmusik (z. B. Loreena McKennitt) oder auch pagane Musik, die bereits andere religiöse Anschauungen populär gemacht hat (keltische und nordische Mythologie).

Genau wie die teils mit neopaganer Ideologie aufgeladene Welt- oder Metalmusik sich hin und wieder gegen das Christentum als solches wendet, ist es etwa in der Subkultur des Black Metal, der sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut und als Vehikel für eine ganz eigene Form von religiös geprägten Aussagen genutzt wird. Dabei spiegelt sich die Religionskritik nicht immer gleich in Vertretung des Satanismus wider, es können auch rationale Gründe angeführt werden wie es etwa die in Deutschland sehr beliebte Band Behemoth macht. Da werden dann in Musikvideos und auf der Bühne schon einmal christliche Riten auf die Schippe genommen und Bibeln verbrannt. Doch gibt es auch das Gegenteil: Christian Metal (z. B. Becoming The Archetype) ist in der Szene inzwischen absolut kein No-Go mehr.

Die Facetten, in denen religiöse Themen und Motive in Form von Musik aus deutschen Lautsprechern tönen, sind tatsächlich sehr vielfältig und verschieden. Da diese Musik aber immer einer bestimmten Glaubensrichtung (Christentum, Judentum, Islam etc.) zugeordnet werden kann, ist sie auch mehr oder weniger an eine bestimmte Glaubensgemeinschaft gebunden, aus der heraus sie kommt und über die hinaus sie oft kaum wahrgenommen wird. Und wenn das der Fall ist, so stößt sie nicht immer auf Gegenliebe, sondern provoziert schon einmal satirisch-musikalische oder ernst gemeinte, böse Reaktionen (satanischer Black Metal). Man kann durchaus von einem positiv zu bewertenden musikalischen Meinungspluralismus reden, der, solange seine religiös geprägten „Kämpfe“ im Bereich der Musik ausgetragen werden, die deutsche Kultur enorm bereichert.

Volksmusik als Inspiration

Volksmusik? Echt? Das ist Ländler aus der Schweiz; Schlager, Francine Jordi, Heino und wie sie alle heissen.
Nein, nicht nur. Hierbei handelt es sich auch um einen Überbegriff, der auf alle Musik angewandt wird, welche ursprünglich nicht schriftlich überliefert ist, in gewissem Sinne also Urmusik. Volkslieder sind entsprechend Lieder, welche von Generation zu Generation weitergegeben werden und zum Kulturgut eines Landes oder einer Sprachgruppe gehören.
Diese Volksmusik kann inspirieren. Die «Neue Volksmusik» ist ein Genre, das von jungen Musikern kreiert wurde, die in ihrer Stilfindung verschiedentlich beeinflusst worden, nämlich zum einen von der gerade aktuellen (Pop-) Musik, zum andern von der lokalen Musik, der Volksmusik der Region. Das war in den 70er- und 80er-Jahren häufig, daneben hatte auch die jeweilige politische Strömung ihren Anteil.
Haindling
Eine der ersten deutschen Gruppen, die bayerische Texte mit Pop-, Jazz- und Volksmusikklängen kombiniert hatten, waren Haindling. Hans-Jürgen Buchner, der Kopf der Band, ist sehr an Weltmusik interessiert und lässt auch mal tibetische Klänge in seine Musik einfliessen. Die Texte hält er jedoch bayrisch, weil für ihn dieser Dialekt vom Aussterben bedroht ist.
Joscho Stephan Trio
Mit Wurzeln im Gypsy Swing ist das Joscho Stephan Trio ein Sinnbild für die Einbindung traditioneller Musikkomponenten in moderne Arrangements. Er verbindet Gypsy Melodien mit Klezmer, Pop, Jazz, Latin und Klassik.
Opa Tsupa
Wenn wir etwas über den Tellerrand hinausschauen und nach Frankreich gehen, finden wir die Gruppe «Opa Tsupa». Eine Gruppe, aktiv bis 2015, welche sich vom Swing der dreissiger Jahre inspirieren liess, wie auch von traditionellen französischen Chansons. Bekannt ist diese Band besonders wegen ihrer starken Bühnenshows.
Max Raabe und sein Palastorchester
Das legendäre Palastorchester geht zurück ins Jahre 1986. Das Repertoire ist vornehmlich die Musik von Tanzorchestern der 1920er und 1930er Jahre. Einem weiten Publikum wurde die Gruppe durch die Mitwirkung im Film «Der bewegte Mann» bekannt. Oft interpretieren sie Lieder der «Comedian Harmonists», spielen aber auch Eigenkompositionen wie «Kein Schwein ruft mich an». Die Texte sind herrlich schräg und lassen den Zuhörer schmunzeln.
Manau
Manau wurde vor fast zwanzig Jahren in Frankreich gegründet. Es ist eine Hip-Hop-Gruppe, welche traditionelle, keltische Musik mit Rap mischt. Die Mitglieder stammen alle aus der Bretagne, der Name beutet «Isle of Man» in altgälisch. «Panique Celtique» war das Debutalbum, welches 1998 erschien und einschlug wie eine Bombe. In Deutschland wurden sie durch SWR3 bekannt, welche oft «La Tribu de Dana» spielten.
Diese fünf Bands sollen einen kurzen Einblick geben, wie vielfältig die Einflüsse von traditioneller Volksmusik sind. Man könnte den Artikel noch viel weiter fassen und auf Klezmer oder Fado eingehen. Ebenso Deutschfolk wäre erwähnenswert. Diese Stilrichtung war in den 1970ern sehr beliebt, als irische Musik und englischer Folk die Bühne betraten. Man wollte aber weniger die traditionellen Klänge reporduzieren, als auf politische Botschaften aufmerksam machen.

Wie wir langsam die Volksmusik verlieren

Dabei wird doch überall auf der Welt zu jeder Zeit gesungen und musiziert. Die meisten Strophen werden dabei in der jeweiligen Landessprache zum besten gegeben und ein jedes Land verfügt über ein breites Repertoire an eben solchen.

Wo gehen all diese Lieder hin? Warum schenken wir ihnen nicht mehr Beachtung, spiegeln sie doch unsere verschiedenen Kulturen und Traditionen wieder.

Bei vielen Stämmen anderer Länder sind die traditionsreichen Lieder nach wie vor ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Stammesoberhäupte stimmen gewissenhaft die Klänge an und schon bald fällt ein jeder im Dorf in diese ein.

Und wir? Wir sitzen vor dem Radio und hören lieber gleich gestimmte Popmusik bei der man nur mit Mühe herausfinden kann, wer sich dort am Mikrofon gerade die Ehre gibt. Unsere eigene Sprache wird dabei oftmals gänzlich außen vor gelassen oder aber mit Fremdwörtern gemischt. Verkaufen lässt sich die Volksmusik heute nur, wenn sie ins Moderne transportiert wird. So hat Helene Fischer es geschafft, mit einer Art neu zeitigen Auflage alter Gepflogenheiten auf sich aufmerksam zu machen und Platten zu produzieren.

Woher kommt eine solche Wandlung? Wahrscheinlich muss man dafür in der Geschichte ein paar Jahre zurück gehen. Vor dem zweiten Weltkrieg hatten wir in Deutschland viele Volkslieder und waren stolz darauf, einige der bekanntesten Musiker hervorgebracht zu haben. Mit dem Krieg kam dann die Wende. Lieder wurden zu Propaganda Zwecken umgeschrieben, erweitert oder einfach gleich ganz gelöscht. Es war eine Zeit in der Volkslieder zum Werbemittel für unvorstellbare Grausamkeiten missbraucht wurden und auch nach dem Krieg, ging es in Teilen von Deutschland so weiter. In der DDR wurde vieles direkt verboten, neues kritisch beäugt und so ein Umfeld geschaffen, in dem sich die Menschen danach sehnten endlich etwas neues zu hören und zu erleben.

Mit dem Fall der Mauer zeigte der Westen dem Osten dann den neusten Schrei aus der großen, weiten Welt. Die ersten Hits von Micheal Jackson liefen in Endlosschleife und endlich war man sie los, die Volksmusik. Nur noch für vergraute, ältere Menschen von Bedeutung, die mit den neuartigen Klängen nur wenig anfangen konnten, strömte aus den Radioempfänger der melodische Sound der neuen Welt.

Und wo geht es hin? Kann die Volksmusik noch einmal empor steigen um eine echte Alternative zu werden? Eine Frage die schwierig zu beantworten ist. Die Generation “Neue Welt” wird irgendwann auch älter und ob es dann noch immer die Popmusik sein mag die sie begeistert bleibt abzuwarten. Bei den jungen Menschen von heute wird es dagegen schwer die Volksmusik zu etablieren. Zu weit weg ist diese Welt und zu sehr sind Idole wie Helene Fischer gleichgeschaltet mit der Welt der Popmusik. Eine echte Chance kann nur die Bildung mit sich führen. Es muss bekannt gemacht werden was es einst gab, warum es gegangen ist und wie man es wieder zurückholen kann. Es muss so sein, dass Volksmusik weltweit den Weg weg vom rechten Flügel schafft und hin in die Mitte einer Gesellschaft. Es muss so sein, dass ein Land wieder stolz darauf ist, ein wenig anders zu klingen als der Rest der Welt. Radiosender müssten in die Verantwortung genommen werden, so wie in Frankreich üblich, mehr Musik aus dem eigenen Land zu spielen. Und darüber hinaus auch mehr Volksmusik und nicht Popmusik auf Deutsch.

So könnte es wohl gelinge die Volksmusik wieder etwas “Pop”ulärer zu machen.