Wie wir langsam die Volksmusik verlieren

Dabei wird doch überall auf der Welt zu jeder Zeit gesungen und musiziert. Die meisten Strophen werden dabei in der jeweiligen Landessprache zum besten gegeben und ein jedes Land verfügt über ein breites Repertoire an eben solchen.

Wo gehen all diese Lieder hin? Warum schenken wir ihnen nicht mehr Beachtung, spiegeln sie doch unsere verschiedenen Kulturen und Traditionen wieder.

Bei vielen Stämmen anderer Länder sind die traditionsreichen Lieder nach wie vor ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Stammesoberhäupte stimmen gewissenhaft die Klänge an und schon bald fällt ein jeder im Dorf in diese ein.

Und wir? Wir sitzen vor dem Radio und hören lieber gleich gestimmte Popmusik bei der man nur mit Mühe herausfinden kann, wer sich dort am Mikrofon gerade die Ehre gibt. Unsere eigene Sprache wird dabei oftmals gänzlich außen vor gelassen oder aber mit Fremdwörtern gemischt. Verkaufen lässt sich die Volksmusik heute nur, wenn sie ins Moderne transportiert wird. So hat Helene Fischer es geschafft, mit einer Art neu zeitigen Auflage alter Gepflogenheiten auf sich aufmerksam zu machen und Platten zu produzieren.

Woher kommt eine solche Wandlung? Wahrscheinlich muss man dafür in der Geschichte ein paar Jahre zurück gehen. Vor dem zweiten Weltkrieg hatten wir in Deutschland viele Volkslieder und waren stolz darauf, einige der bekanntesten Musiker hervorgebracht zu haben. Mit dem Krieg kam dann die Wende. Lieder wurden zu Propaganda Zwecken umgeschrieben, erweitert oder einfach gleich ganz gelöscht. Es war eine Zeit in der Volkslieder zum Werbemittel für unvorstellbare Grausamkeiten missbraucht wurden und auch nach dem Krieg, ging es in Teilen von Deutschland so weiter. In der DDR wurde vieles direkt verboten, neues kritisch beäugt und so ein Umfeld geschaffen, in dem sich die Menschen danach sehnten endlich etwas neues zu hören und zu erleben.

Mit dem Fall der Mauer zeigte der Westen dem Osten dann den neusten Schrei aus der großen, weiten Welt. Die ersten Hits von Micheal Jackson liefen in Endlosschleife und endlich war man sie los, die Volksmusik. Nur noch für vergraute, ältere Menschen von Bedeutung, die mit den neuartigen Klängen nur wenig anfangen konnten, strömte aus den Radioempfänger der melodische Sound der neuen Welt.

Und wo geht es hin? Kann die Volksmusik noch einmal empor steigen um eine echte Alternative zu werden? Eine Frage die schwierig zu beantworten ist. Die Generation “Neue Welt” wird irgendwann auch älter und ob es dann noch immer die Popmusik sein mag die sie begeistert bleibt abzuwarten. Bei den jungen Menschen von heute wird es dagegen schwer die Volksmusik zu etablieren. Zu weit weg ist diese Welt und zu sehr sind Idole wie Helene Fischer gleichgeschaltet mit der Welt der Popmusik. Eine echte Chance kann nur die Bildung mit sich führen. Es muss bekannt gemacht werden was es einst gab, warum es gegangen ist und wie man es wieder zurückholen kann. Es muss so sein, dass Volksmusik weltweit den Weg weg vom rechten Flügel schafft und hin in die Mitte einer Gesellschaft. Es muss so sein, dass ein Land wieder stolz darauf ist, ein wenig anders zu klingen als der Rest der Welt. Radiosender müssten in die Verantwortung genommen werden, so wie in Frankreich üblich, mehr Musik aus dem eigenen Land zu spielen. Und darüber hinaus auch mehr Volksmusik und nicht Popmusik auf Deutsch.

So könnte es wohl gelinge die Volksmusik wieder etwas “Pop”ulärer zu machen.